Chambers - s/t ep

Chambers

Chambers sind eine neue Band aus Berlin, die den Dunstkreis hc/postrock/punk-whatever erweitert.Und sich ganz schön schnell ins Hirn fräst. 

Die 5 Songs sind so leicht betitelt wie manche Led Zeppelin-Alben. I-IV mit einem Interlude in der Mitte. Und es geht um Teenage Angst, darum wie wir heute den Boden verloren haben, wie er uns weggenommen wurde und wir nur zugeschaut haben. how do we cling to life, singing to tunes of the end, to the raging beats of our heart, caged in shaped boxes, with our destinies inscripted. Was dürfen wir eigentlich noch selbst entscheiden? Macht es überhaupt einen Unterschied? Individuum gefickt in der Menge. Darauf sollte man nicht sitzen bleiben, denn am Ende ist der Mensch immer noch fähig zu kämpfen, auch wenn er es mit rauem Gekeife gesagt bekommen muss. Hoffnung auf eine goldenere Zukunft frisst die Orientierungslosigkeit, in der wir gerade leben. this refuge somewhere, we used to call home, it's just a dead-end, a new set of worries we haven't abandoned yet Auf Chambers geht es darum, dass wir weitermachen müssen, dass es vielleicht hoffnungslos ist, aber drauf geschissen, das war es zu jedem Jahrzehnt der Geschichte auch schon. Chambers sind gnadenlos in ihren Beobachtungen, sprechen von der Rolle, in der sie den Menschen in unserer Gesellschaft sehen, in die der Mensch gedrückt wird. Und wer dieser nicht standhält, geht unter. the bitter rest of possibilities which remains (is) to serve as capacities. in conclusion the complete negation of a society that's sinking.

 

Auch wenn das nun alles massivst depressiv klingt, wenn die Musik dir im klassischen Hardcore die Ohren blauprügelt, ist es ein schönes Stück Motivation, ein Aufruf, sich zu wehren. Natürlich, wir sind alle kaputt, vom Leben entmenschlicht und entfremdet, so dass wir nicht mehr wissen, was echt und falsch ist, ob es echt oder falsch überhaupt gibt. Die Falle ist die Welt, die uns umgibt. Aber das ist noch kein Grund aufzugeben, denn verantworlich sind wir alle. Für uns selbst und alle anderen. there's no such thing like innocence, just different levels of responsibilty. Manchmal muss man das auch etwas lauter gesagt bekommen.

 

Wer Chambers aus Berlin unterstützen möchte, kann dies auf bandcamp per name your price machen. Für Juli ist der physische release ihrer EP als Tape geplant.

Edalene - I´m Still Here

Blut, Schweiß und Tränen haben Edalene aus Sydney in ihre erste EP "I´m Still Here" gesteckt. Zugegeben, das hört man. Im Schlafzimmer des Gitarristen wurden die drei Songs aufgenommen und via Bandcamp in die Welt hinausgeschrien. Sehr melodischer Screamo mit variierenden Gesangslinien gepaart mit einem fast schwülstigen, überladenen Sound. Live kommen die Australier schon roher daher und überzeugen um so mehr. Edalene haben Potenzial. Die Synthies sollten sie aber zu Hause lassen. Dann klingen sie am besten. Echt, unverfremdet, authentisch. Abgefuckt.

 




Edalene: I`m Still Here

VÖ.: 01.05.2015

Swain - Heavy Dancing

swain

Nach dem Howl: Swain tanzen und brüllen sich auf ihrer EP hoffnungslos in eine bessere Welt.

Der Titel von Swains diesjähriger EP Heavy Dancing täuscht erstmal alle, die sie nicht vom '13er Howl schon kennen. Dieses war eine geladene Portion HardcorePunk der Sorte gebrüllter Anarchie – they waited to see the world go wild. Auf Heavy Dancing wird nun in moderatem Tempo losgeprügelt, was in der Band steckt. „I weep for mankind“ ist eine 54-sekündige Demonstration der gallopierenden Kriegserklärung to rid ourselves of our contempt! Auf Heavy Dancing geht es darum, sich nicht mehr zurechtzufinden auf dieser Welt, die voll von Lügen, falschen Freunden, Hass und die Frage, ob sich kämpfen überhaupt lohnt oder alles seinen gewohnten Gang geht und das Leben einfach scheiße ist. Die Lösung kann nur laut gebrüllt werden:Heavy Dancing is all I've got!

Bewaffnen zum Kampf, Tanzen als Ausweg aus der Misere....danach kann nur eines kommen: Der Wunsch nach Raum in all der erdrückenden Scheiße des aktuellen Lebens. But I need some space, weil ich nicht weiß, ob all die Verprechen, dass es wieder gut wird, dass es einen fix für unsere Probleme geben wird.

Um tanzen zu können, braucht man Platz. Und heutzutage zu tanzen ist wie ein Kampf, die Manege ein Ring, in dem man ausweichen und zurückschlagen muss. So here’s to waking up and calling it quits. "Vaarwel" ist dann der Schlusspunkt einer kurzen kämpferischen EP, der uns sagt, dass Stillstand der Tod ist, wir keine Wurzeln zu schlagen haben. Die Aufgabe dessen, was wir haben. Den Blues haben wir eh.                                                                         

Warum dann nicht an einen anderen Ort gehen? Wo man Platz hat, sich nicht Freitanzen muss. Eine Utopie des Hedonismus, aber das wissen sie bestimmt selber. Transzendenz ist nur ein Hirngespinst. Träumen ist dennoch erlaubt. 


Swain: Heavy Dancing

VÖ.: 05.03.2015

O Graceful Musing´s Burden - Im Draußen Bricht Sich Das Drinnen

o graceful musings burdenO Graceful Musing´s Burden (OGMB) spielen Musik für die Nacht. Die rein instrumental arrangierten Songs wirken wie ein Streifzug durch die Dunkelheit. Auf ihrem neuen, dritten Album mit dem Titel "Im Draußen bricht sich das Drinnen", finden sich drei Stücke voller Atmosphäre, emotionaler Ausbrüche und technischer Raffinesse. 

Die sehr langen Postrock-Stücke werden immer wieder von Black Metal-Parts durchkreuzt und mithilfe von Sprachsamples, wie Jack Londons "White Fang oder "Canción Ultima" vom spanischen Dichter Miguel Hernández aufgelockert. Die Zitate geben dem Album Themen vor, die sich mit der menschlichen und natürlichen Umgebung auseinandersetzen bzw. dass jedes Handeln auch Folgen für einen Selbst wie auch für die Umwelt hat. 

OGMB spannen mit ihrer Musik in Kombination mit den ausdrucksstark gewählten Literaturzitaten ein Zelt, in dem man sich als Hörer einnisten und seinen Gedanken freien Lauf lassen kann.

 

 


O Graceful Musing´s Burden: Im Draußen Bricht Sich Das Drinnen

VÖ.: 26.04.2015

 

Like Elephants - Home

Steigen wir direkt mal in die Bandgeschichte der Österreicher Like Elephants ein. Im Februar 2014 formierten sich die fünf längjährigen Musiker zu Like Elephants. Die klassische Besetzung aus Gesang, Gitarre, Bass und Schlagzeug wird vom Synthesizer komplettiert. Seit Dezember vergangenen Jahres arbeitet die Band mit dem Wiener Label "Noise Appeal Records" zusammen. Die ersten Früchte kann man nun auf "Home" hören. Die EP umfasst vier Songs, die als Vinyl-7"/CD - Bundle erschienen ist.

Die Musik bewegt sich irgendwo zwischen Indie-Pop-Helden der 90er Jahre wie z.B. Readymade und aktuellen Bands wie Motorama. Leicht verträumte Lieder, die besonders gefallen, wenn die Sonne über der Stadt lacht. Dementsprechend finde ich es ziemlich genial, rechtzeitig zum Sommer einen Song mit dem Namen "Festival Sun" zu releasen. Der geht ins Ohr, nervt auch nach mehrmaligem Durchlauf nicht, mausert sich aber zu DEM Ohrwurm auf "Home".

Wäre schön, wenn da noch ein Album nachkommt.


Like Elephants - Home

Noise Appeal Records

Vö.: 08.05.2015

Shipwrecks - Shipwrecks (EP)

ShipwrecksAufgemerkt. Eine junge Kölner Band namens SHIPWRECKS ist ausgezogen um dem Postrock-Genre neues Leben einzuhauchen. Mit ihrer Debut-EP schaffen sie es Hunger auf mehr zu machen. Ein Album soll bald folgen, heißt es bereits in der VISIONS, die sie jüngst zum DEMO DES MONATS gekürt hat. Schöne Spannungsbögen, atmosphärisches Gitarrenklingeln und eine feine Produktion geben der EP einen roten Faden, dem zu folgen es lohnt. Drei Songs in 25 Minuten lassen bereits Vergleiche mit CASPIAN oder THIS WILL DESTROY YOU zu. Wenn das so weiter geht, können Shipwrecks weit kommen. Das Fundament ist bereits geschaffen und veröffentlicht. 
Hört selbst und überzeugt Euch vom Talent von SHIPWRECKS:


Shipwrecks: Shipwrecks (EP)

VÖ.: 09.01.2015

This Love Is Deadly - Want

This love is deadly

This Love is deadly. Hoffentlich nicht!

Der schön verträumte Shoegazer-Dream-Pop der Berliner bringt auf dem neuen Album "Want" nämlich ganz viel Wärme und Liebe.

Eingebettet in verzerrten Gitarren, die den Sturm und auch den Drang der Band untermauern, schwebt eine herrlich geheimnisvolle Stimme über den Songs. In meiner Wahrnehmung entwickelt die Platte nach dem x-ten Durchlauf einen besonderen Zugang, der abschweifen ohne Ausschweifen zulässt. Die Details spielen sich in den Vordergrund, während das Grobe, das Zerrissene in den Hintergrund gerät. Da sind Samples, da ist das Schlagzeugspiel, da sind die Texte, da sind verschiedene Stimmen und da ist wieder die verzerrte Gitarre. 

Eine Platte die aus Laut und Leise, aus Expriment und Pop, aus Schnell und Langsam, aus Heiter und Traurig besteht und zusammengehalten wird.

Auf dem kleinen Label Bekassine Records erscheint "Want" dieser Tage als analoge LP.

 


This Love Is Deadly: Want

Bekassine Records / Lovesick Records

Vö.: 27.03.2015