Maskros - Untold

Googelt man Maskros, findet man einige Treffer zu relativ abgespacten Lampen und Leuchten verschiedenster Anbieter. Mit ein bisschen Glück oder minimaler Recherchekompetenz stößt man auf eine frische Band aus Saarbrücken, die mit ihrer Debut-EP „Untold“ aufwartet.

Auf ihrer Bandcamp-Seite werden die fünf Tracks zum „name your price“ Angebot oder als Stream präsentiert. Und zumindest auf play sollte man hier schonmal klicken, denn es lohnt sich durchaus.

Der Opener „Deception“ baut sich melodiös zu einer lauten Tirade gegen das alltägliche Hamsterrad auf und geht fast nahtlos in den zweiten Song „Depletion“ über, der wie ein plötzlicher Wellenbrecher ein Gewitter ankündigt und dunkle Wolken mit sich bringt. „Perpetuate“ geht ebenso stringent nach vorne, bevor mit „Void“ der vielseitigste und längste Song der Band an vierter Stelle steht.

Mit fast schon heiserer Stimme schreit sich der Sänger von Maskros die Frustration von der Seele:

„You are struggling with the firm grip of routine at your throat. The strings that keep you moving - cutting your flesh. You are feeling hollow, no memory of when there was warmth. And your aspirations have long been lost on this path you did not choose.

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Trainwreck - Old Departures, New Beginnings

Etwas verschwitzt, aber glücklich laufe ich von dem soeben neu eröffneten Club (bzw. Schuppen) „Klaushaus“ zurück nachhause. Hinter mir liegt ein fantastisches Konzert von Trainwreck. Die am gleichen Tag spielenden Jungbluth mussten leider auf meine Anwesenheit verzichten, da sie bereits gegen 16 Uhr gespielt hatten. Das konnte ja keiner ahnen.

Das ist nun bereits vier Monate her. Damals konnte ich als einer der ersten die neue Platte „Old Departures, New Beginnings“ erwerben und nachhause tragen. Heute kann ich sagen, dass sie auch nach mehrmaligen Durchläufen ihren Reiz nicht verliert. Ganz im Gegenteil….sie wächst, wie man so schön sagt. Das hat mittlerweile auch die VISIONS erkannt und schreibt: „Sie sind nicht nur integer, tief im D.I.Y. verwurzelt und politisch motiviert, Trainwreck aus Aachen machen auch noch international wettbewerbsfähigen Hardcore.“(Visions, 08/14)

Trainwreck scheinen also auf dem Sprung zu sein. Keine Ahnung wohin sie springen, aber es verhält sich wahrscheinlich so wie die Volksweisheit vom Weg, der das Ziel darstellt. Der Sprung an und für sich ist die Belohnung für das viele Touren, intensive Konzerte, hoch (genre-) relevante Platten und vor allem für das lange Durchhaltevermögen. Immerhin neun Jahre sind die Jungs nun schon unterwegs.

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Flos Anti-Sommerloch-Diskographie: The Auteurs (3) +(4)

Haines macht weiter. Schon wieder ein Jahr später kommt das dritte Werk: After Murder Park. Damit haben The Auteurs den Hauptteil ihrer Alben bereits vor dem Höhepunkt der Szene (1997), der sie fälschlicherweise zugerechnet werden, veröffentlicht. Was konnte da noch Neues kommen, nach zwei tadellosen Alben? Haines geht weiter in seiner Tirade, rechnet bitterböse ab mit allem,was ihm zwischen die Finger kommt. Das Album klingt dreckiger als die anderen, dafür hat Produzent Steve Albini schon gesorgt. So distanzieren sich The Auteurs auch im Personal vom Britpop, ist Steve Albini doch auch der Produzent von Nirvanas letztem Album und nicht unbekannt für seine raueren Produktion. Wie schmeckt das der Britpop-Presse, die kaum zuckt, um wieder und wieder den US Grunge zu verteufeln. Auf der anderen Seite tauchen hier wieder die Albtraumwiegenlieder auf, die Haines zuvor schon immer wieder einstreute. Deren Botschaft ist natürlich wenig trostvoll, wie der Titel von „Everything you say will destroy you“ schon impliziert. Ich weiß nicht, auf wen er sich in diesen Songs bezieht, doch ein Kompliment ist das für die jeweilige Person nicht.

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rauscheErinnerungskultur: Apart & Crash of Rhinos

Fast ein Jahr nach dem Ende der Posthardcore Hoffnungsträger Apart meldeten Birds in row am 01. Juli, dass sie sich sortieren müssen und einiges zu klären haben. Anlass, an die Projekte zu erinnern, die leider in den letzten 12 Monaten auf Eis gelegt wurden.

Das Ende von Apart kam ziemlich genau zum einjährigen Jubiläum ihres Meisterwerks Gray Light. Alles, was die Posthardcore-/ Hardcore-Gemeinde in den letzten Jahren bewegt hat, lässt sich musikalisch perfekt umgesetzt auf diesem Album finden und das mit einer Brillanz, die den allseits beliebten Touché Amoré in Nichts nachsteht. Sichtlich schockiert las ich am 12. Juli 2013 die fünf knapp gehaltenen Zeilen zum Ende der Band. In diesem Jahr folgte das Ende der Emo-Kracher Crash of Rhinos. Ihr abwechslungsreiches mit Ohrwürmern bespicktes "Knots" ist ebenfalls ein Album, das mit dem Prädikat „wertvoll“ versehen werden muss. Ständige Tempowechsel, knackig und dynamisch präsentierte Riffs machen es zu einem Kracher, der querbeet auf verschiedenen Hörebenen funktioniert.

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Kasabian - 48:13

Kasabian haben ihr viertes Album schön hässlich verpackt. Auf dem Cover zu sehen: pink! und 13 Anzeigen einer Digitaluhr, in der Mitte aufgelistet. Natürlich sind das die Spielzeiten der Songs. Das Album heißt auch hässlich schön: 48:13.
Kasabian waren allerdings nie die Band für schöne Covers, wenn man sich mal ernsthaft damit beschäftigen will. Die ersten beiden eher unauffällig, die letzteren nicht besonders ansprechend. Und nun diese pinke Schlichtheit von Songlaufzeiten.
Allerdings sprach biser die Musik immer für sich. Klar, Kasabian hatten immer diesen leicht angeprollten Charakter. Aber dieser verstärkte nur die Sympathien, die man gegenüber der Band aufgrund ihrer Songs schon immer hegte.
Die 13 einwörtigen Titel von 48:13 lassen diesmal allerdings Fragen aufkommen. Es ist wieder ein Mix aus (Lad)Rock, Rave und nicht näher definierten Drogen und Cocktails.
Bisher zumeist das Rezept für Überhits en masse, die das Erbe von Oasis zwar nicht ganz ausfüllen konnten, aber von allen Konkurrenten immer noch am treffsichersten waren. Das passiert hier auch wieder, wenn Stevie in seinem Refrain ergeht. Aber die Einwortigkeit der Titel ist irgendwie auch auf die Songs übergegangen. Die Mission Kasabians wird klar, aber alles wird zum einheitlichen Gepolter und Gerave. Die Songs bleiben dabei aber größtenteils auf der Strecke, solange man nicht schon ebenso drauf ist, wie Meighan und Pizzorno es wahrscheinlich auch sind. Symptomatisch dafür ist Eez-eh, ein seltsames Reggaerave-Gemisch, das dann doch eher dem Skippen zum Opfer fällt, keine wirklich toll zu nennende Hook hat und peinlich getextet ist: There's cobras in the moshpit, Finally we lost it, Everyday is brutal, Now we're being watched by Google. Reime gefunden, Anspruch und Sinn verschwunden.?

Natürlich kann man auch dieses Album wieder abfeiern als Triumph des Britrock, als Kampfansage an was auch immer. Aber im Vergleich zu Club Foot, L.S.F., Empire und Underdog? verlieren Kasabian irgendwie den Boden. Blur hatten Coffee&TV, Oasis Gin & Tonic. Kasabian? Wissen wir nicht, aber ob es dauerhaft gesund ist, könnte man bezweifeln. Wahrscheinlich ist es das genauso wenig wie ein Blick auf dieses Cover.

 

 

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Kasabian - 48:13

Smi Col (Sony Music)

6.Juni 2014

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Flos Anti-Sommerloch-Diskographie:The Auteurs - Now I'm a Cowboy (2)

Und schon ein Jahr später kehrte Luke Haines zurück. Now I'm Cowboy ist Ansage und Meisterwerk, wenn man das so sagen darf. Die Songs sind ebenso stark wie auf New Wave, hier werden die Hits aber noch offensichtlicher und setzen sich verstärkt von der breiten Maße ab. Mit "Lenny Valentino" und "New French Girlfriend" sind zwei von Luke Haines besten Songs hier veröffentlicht. Ersteres eröffnet das Album und man bekommt den Eindruck, Haines hat noch mehr vor als er es schon mit New Wave erreicht hat. Tür auf, der erste Kinnhaken. So wie das "Brainchild" auf dem Cover ein blaues Auge hat. Denn das Leben ist so, man trägt ständig Flecken davon, sei es von den Reichen oder den "Upper Classes". Man muss nur Widerstand leisten - Sick of all your stupid games, all derer, die sich als Könige auf die Gesichter der anderen setzen müssen. Ging der Blick bei New Wave noch oft auf die Stars, so ändert Haines hier die Perspektive auf die sozialen Auswirkungen der Herrschenden auf die normalen Menschen, die Chinese Bakery, Underground und Life Classes. Und in Haines Stimme schwingt immer ein Zynismus mit, durch den hier die Welt betrachtet wird. Auch ohne die Texte wären  das alles Hits, doch erst diese machen The Auteurs zu einer der außergewöhnlichsten Bands der 90er Jahre.

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Flos Anti-Sommerloch-Diskographie:The Auteurs - New Wave (1)

Wenn Bad Vibes uns etwas gelehrt hat, dann vor allem, dass wir dieses Phänomen Britpop kritisch betrachten müssen. Es war wohl mehr eine Zuschreibung der Presse, als wirkich eine Musikszene, wie wir sie uns vielleicht manchmal romantisierend vorstellen wollen. Doch eigentlich wissen wir, dass nur die Gemeinsamkeit der Nationalität noch keine Szene macht. Eines der größten Genies dieser Zeit ist Luke Haines. Seltsamerweise geriet er nie zu dem Ruhm, den die Zeitgenossen von Oasis, Blur und Pulp erreichten.

Dabei war New Wave aus dem Jahr 1993 ein Knaller erster Güte. Noch heute hört man The Auteurs und ist immer wieder mitgerissen, was das für großartige Songs damals waren und heute noch sind: Haines bitterböse Geschichten über Showgirls, amerikanische Gitarren und alles, was er zu kritisieren wusste. Und das war nicht wenig. Bad Vibes berichtet von seinen Problemen mit dieser Szene, die eben gerade nicht homogen ist. The Auteurs wollten nie dazugehören. „This party will start / to drag  you down / slap your face / and pull your hair“.

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