Wooden Peak - POLAR Revisited

Sie werden sich nicht an mich erinnern, aber ich konnte die beiden Musiker von Wooden Peak bereits im Leipziger Stadtleben kennen lernen. Einen von Grund auf sympathischen und bodenständigen Eindruck haben die Jungs auf mich gemacht. Um so mehr freut es mich, dass sie mich nun um ein paar Zeilen zu ihrer neuen Platte gebeten haben.  

Bereits im November 2013 ist das dritte Album "Polar" des Leipziger Duos Wooden Peak erschienen. Die detailreiche und vielschichtige Songstruktur war schon damals ein auffälliges Merkmal, das Wooden Peak zu einer originellen Band macht, die sich in keine Schublade stecken lässt.
Nun hatten sie die schöne Idee, musikalische Freunde und Wegbegleiter um Neubearbeitungen der Songs zu bitten. Das Ergebnis liegt nun vor und wurde schlicht "POLAR Revisited" getauft. Die neuen Variationen sind meist in einem elektronischen Gewand gehalten, jedoch ohne die ursprünglichen Fassungen zu stark zu verfremden. Die Essenz der Originale bleibt erhalten und wird vielmehr weiterentwickelt und in neuem Licht vorgestellt.

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Jerome Longhi - Sonameon

Ob auf der Couch oder nachts um drei in einem dunklen Club - die Debut-Platte von Jerome Longhi kann einen in eine gedankenlose Sphäre begleiten. Ursprünglich der Gitarre zugeneigt, wendet sich der der Tonstudiobetreiber auf der 12-Inch den elektronischen Klängen zu.

Die Ambient-Sounds auf Seite A werden von einer weiblichen Stimme untermalt und lassen einen leicht esoterischen Touch zu. Das soll allerdings nicht negativ klingen. Die Stimmung des Tracks lässt schließlich viele verschiedene Interpretationsmöglichkeiten zu. Man könnte sagen, dass "Sonameon" eher etwas von einer Klangskizze hat, wohingegen "Sanomeon" ein deutlicheres Muster aufweist. Eingeleitet von einem einfachen Klavierloop, geht der Track über in einen von der Drum-Machine geführten Trip-Hop Sound, der das von Longhi produzierte Rauschen begleitet.

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The Hotelier - Home, Like Noplace is there

Ihr sucht feinste Hooks, Chöre, ein Album, das vom ersten bis zum letzten Lied rund ist und reinläuft wie euer Lieblings-Kaltgetränk? Bitteschön: The Hotelier liefern das alles. Bereits der Opener ist ein Chorus-Fest, das die Laune gewaltig hebt. Ab dem vierten Stück wird man nicht mal annähernd in die Versuchung kommen, die Skip-Taste zu bedienen. „Your Deep Rest“ beginnt wie eines dieser Tanz-Stücke der The-Band-Jahre, wird ganz wunderbar melodisch-melancholisch, um mit einem C-Part noch einen drauf zu setzen. „Among the Wildflowers“ lebt von seiner prog-rockigen Dynamik und schließt mit einer hochemotionalen Dialog-Einblendung. Dabei erzeugen The Hotelier eine Stimmung, wie in einem ruhig erzählten Film,

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Sorority Noise - Forgettable

Auf den Ratschlag meiner Helden des letzten Monats „The world is beautiful place and I am no longer afraid to die“ habe ich mir das Debüt-Album ihrer Broken World-Kollegen Sorority Noise angehört. Und höre da - „Forgettable“ ist ein wirklich feines Album geworden. In „Rory Shield“ schwingt man sich von einem schönen Postrock-Schwebebalken auf ein lässiges Bass-Solo, um direkt wieder in eine Melodie reingeworfen zu werden. Bei „Mediocre at Best“ wollte ich schon auf die Kategorie Indiepop verweisen, aber es gibt noch mehr zu entdecken. „Nick Kwas Christmas Party“ und „Smooth Jazz“ könnten auch auf ein Singer-Songwriter-Album passen.

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Yesterday Shop - Parodos

Wenn man die Augen schließt, könnte man meinen, in einer großen Arena zu stehen, zwischen Tausenden von Fans, die sich in den Armen liegen und singen. Öffnet man jedoch die Augen wieder, stellt man fest, dass man doch nur auf der heimischen Couch liegt und die neue Platte von Yesterday Shop aus den Boxen schallt.
Hymnisch und nach good old german indie pop klingt Parados. Der Autor muss unweigerlich an Bands wie Miles oder Readymade denken. Die waren schließlich auch good old und so weiter. Aber zurück zu Yesterday Shop. Eingespielt haben die fünf Bandmitglieder das Album in einer Görlitzer Stadtvilla, aufgenommen wurde es dann in Hamburg. Elf Songs sind dabei herausgekommen, die ein sphärisch dichtes Album bilden und sich vor dem internationalen Vergleich nicht verstecken müssen. Gitarrenwände, Klavierteppiche (sic!) und der eingängige Gesang sorgen für eine abwechslungsreiche Mischung aus Button-Down-Hemd, Kerzenlicht und Gin & Tonic.

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Lorenz - Wurzel, Stamm und Krone

Zugegebenermaßen bin ich inzwischen in der Hardcore / Postrock/ Progrock / Indie - Ecke beheimatet. Aber da gab es einst diese grandiosen Hip Hop-Jahre mit den Hochburgen HH und Stuttgart. Es war eigentlich keine bewusste Abkehr von den Reimen, es hat sich irgendwie ergeben. Ein MC wie Lorenz lässt aber auch einen Gitarrenmusik-affinen wie mich wieder zu Hip Hop Beats im Takt mitnicken. Wurzel, Stamm und Krone ist das Album eines kritischen und reflektierten  Kopfes, der eine nach allen Regeln der Kunst produzierte Platte in die Welt hinaus gelassen hat. Lorenzo von Matterhorn wird dabei sehr persönlich wie in „Woodstock“ und „Von Ausreden und Auswegen“ und greift in „Benzol“ auch gesellschaftsrelevante Themen auf. Dieser Mann hat Soul, was er eindrucksvoll auf „Galgen oder Schaukel“ beweist und besticht mit Wortwitz und Intelligenz. Warum also wieder Mal eine Hip Hop Platte auflegen?

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Metropolis - Mit der Weitsicht eines Maulwurfs

Von Murmeltieren, Maulwürfen und Alltagsgeschichten

Die Songs von Metropolis sind unmittelbar und nach vorne treibend. Bei Zeilen wie „Mit voller Lunge gegen den Wind bist du gerannt“ kann ich mir bestens vorstellen schwitzend in der Menge zu stehen und lauthals mitzusingen. Das Zitat aus „Kalte Wand Volle Lunge“ ist für mich auch Höhepunkt der sehr gelungenen EP „Mit der Weitsicht eines Maulwurfs“. Manchmal ziemlich direkt, wie in „Abgemischt für gut befunden“, dann wieder abstrakter beschreiben Metropolis Gefühlswelten sehr glaubwürdig. Viel Luft zum Verschnaufen bleibt allerdings nicht.

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