Cortez - Phoebus

Was lange währt…wird anders

Zwar liegt das Release des zweiten Cortez Albums „Phoebus“ bereits etwas zurück, aber es müssen einfach einige Zeilen dazu geschrieben werden. Eine Schweizer Band, die Mitte des 00er Jahrzehnts mit Isis und The Ocean tourten, hat sich wieder zusammengefunden, um ein epochales Soundgewitter auf die Hörer loszulassen. Dieses Werk sorgt für schaudernde Gänsehaut. Bereits der erste Track „Temps Mort“ wirkt wie ein Prolog, in dem eine wabernde, dunkle Bedrohlichkeit faszinierend an die Lautsprecher lockt, um mit voller Wucht zu explodieren und einen mannigfaltigen Klangteppich auszubreiten. Behutsam bauen Cortez ihre Stücke auf, angetrieben von einem erbarmungslosen Schlagzeug. Mit „Transhumance“ wird man direkt in das nächste Emotionskaleidoskop geschmissen, in denen knackige Riffs mit wütenden Lyrics verschmelzen. Der Neuzugang Antoine Tinguely an der Gitarre hat der Band keinesfalls geschadet und die detaillierten Arrangements des ehemaligen Gitarristen Samuel Vaney lassen „Phoebus“ wie aus einem Guss klingen.

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Jan Delay - Hammer und Michel (11.04.2014, Universal)

Rauschemusik hat Liebe für Jan Delay und die Disko No.1, doch als nächstes sollte eine LP von den Beginnern komm’n.

Ok, wir sagen es direkt vorweg: Ein neues Album von den Beginnern wäre uns viel lieber gewesen als eine erneute Solorunde des erfolgreichsten Drittels der Hamburger Rap-Crew. Was nicht heißen soll, dass Output vom Chefstyler unerwünscht wäre. Nun ist der neueste Wurf von Herrn Eissfeldt schon einige Tage im Laden ihres Vertrauens erhältlich, hat wie zu erwarten die Nummer 1 in den Charts abgeräumt und wurde von fast allen Kritikern zerrissen. Große Kritikpunkte waren dabei fast immer, dass es sich hierbei doch nicht um Rock sondern um eine Funkplatte mit elektrischen Gitarren handle. Nebenbei wurden die Texte ebenfalls als neuer Tiefpunkt seiner Karriere zerrissen. Da nun genügend Zeit vergangen ist und schon einige Hördurchgänge hinter uns liegen, wollen auch wir uns Urteil über das mittlerweile 4. Soloalbum von Jan Delay bilden.

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Century - Glas und Stein

Ha, da wäre es beinahe passiert! Gemütlich machen wollte ichs mir. Irgendwo zwischen Leonard Cohen, Lee Hazlewood und Morrissey. Eine Prise Joy Division geht auch immer und ausgewähltes von Neil Young scheinbar auch. Bloß nicht zu laut gerade, lieber was gediegeneres, was einen nicht von der Couch wirft, sondern eher noch ein Stück weiter unter die Decke  kriechen lässt (Herrgott, soweit wars schon! Couch und Decke zum Feierabend!). Aber zum Glück haben wir ja unseren Chef. Der merkt sowas! Und hatte auch gleich die passende Antwort für mich parat: Century heißen die Jungs und das Mädel aus Freiburg, die angetreten sind, meinen müden Knochen wieder etwas Leben einzuhauchen. Und was soll ich sagen? Das Unterfangen gelingt ganz formidabel!

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La Dispute - Rooms of the House

Überschätztes Hardcore-"Wunder" oder doch etwas anderes? Ein Fan überlegt:

So oder so ähnlich lief das ab, als die neue von La Dispute die  Redaktionsräume erreichte: Ich selbst jubilierte, als ich irgendwann ankam, um das Paket der Super Edition vorzufinden. Gimmicks, Gimmicks, Gimmicks! Nachdem das Album dann so langsam die Kanäle durchsickert war - der Chef war noch im Urlaub und bekam nichts mit - ging der Krieg los. Die Positionen, man hätte sie schon vorher benennen können. Ich hüpfe fröhlich mit dem Textbuch in der Gegend herum. Glücklich, dass der angekündigte Ausfall dann doch besser als gedacht erscheint. Gegenüber steht die andere Fraktion: Smi, Alex und No P. Während No P das Album gefühlt nicht verstanden hat, feiert Alex dessen Formulierung: Dreyer „sabbelt über seichte Musik“. Und Smi, der Hardcoremoralist und Bewahrer des hohen Schrammelschreins? Droht damit, auf dem Konzert mit veganen Snacks zu schmeißen, sollte Jordan Dreyer nicht sein Geschrei auspacken. Nach einigen Tagen dann noch der Kommentar vom Chef: „2 Lieder sind gut!“ Junge, Junge.... da kann die Kritik ja nur verlieren.

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Svffer - Lies We Live

Liebe Leserschaft,

endlich ist es mal wieder so weit: Packt sie alle aus, die großen Worte des Lobes und der Hochachtung, denn sie sind alle angebracht! Die unfassbar tollen Svffer werden nach ihrer unfassbar tollen EP noch unfassbar toller mit ihrem neuen ersten Album Lies We Live, welches es jetzt im Stream zu entdecken gilt, um es anschließend bei Per Koro oder Vendetta (selbstredend beide auch toll!) zu erstehen.
Wer noch mehr Infos braucht, klicke hier, alle anderen stürzen sich mitten ins Getümmel und werden eine der besten Veröffentlichungen des Jahres erleben. Versprochen!

A Prouder Grief - Helian

Gäbe es Genre-Beschreibungen wie Postrock oder all die anderen für gesanglose sphärische Musik nicht, man würde sie spätestens für A Prouder Grief erfinden müssen.

Wer sind diese A Prouder Grief? Die Informationen der Plattenfirma lesen sich rätselhaft und bedeutungsschwanger: „Tosend hat sich die Band im Sommer 2013 auf einem verlassenen Bauernhof eine Scheune mit Instrumenten okkupiert, Benzin in einen Generator gekippt und eine alte Bandmaschine zum Laufen gebracht.“ Was dabei am Ende herauskam, darüber gibt die Band auf der Website des Labels bekassinerecords.de selbst Auskunft:

 #I Kosmisches Dröhnen, glitzernder Regen, grauer Schnee.
#II Die Nacht jagt den Himmel, mit schwarzen Flaggen,zerbrochenen Masten.

Wo bin ich.

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We Came Out Like Tigers - Ever Crushed At Pecket´s Well

"We have recorded five of the angriest, saddest songs we have ever written." 

Dieses Zitat steht als aktuelle Statusmeldung auf der Homepage von We Came Out Like Tigers. Nicht, dass wir es Ihnen wünschen würden, aber es scheint fast so als wären im WCOLT-Kosmos dunkle Zeiten herangebrochen. Für "Ever Crushed At Pecket´s Well" bedeutet es, dass die drei Musiker aus Liverpool ihre gesamte Wut, Verzweiflung und schiere Traurigkeit in sechs neue (nicht fünf!) Songs kanalisieren konnten.

So haben WCOLT ein neuerliches Meisterwerk aufgenommen, das sich vor dem Vorgänger "Agelessness and Lack" nicht zu verstecken braucht. Das mutige und experimentierfreudige Songwriting bestätigt den hohen Standard, den sie auf dem Debut vorgelegt haben. Wo damals noch ein Banjo für Abwechslung sorgte, kann diesmal die Klarinette seine Berechtigung im Screamo finden. Die stärksten Momente haben WCOLT immer dann, wenn sie auf ihr Wechselspiel zwischen tiefen Riffs, dem Geschrei von Simon Parr und sanften Geigenklängen setzen und sowas wie verletzliche Aggressivität erzeugen.

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