Kalle Mattson - Someday, The Moon Will Be Gold

Hoffentlich ist Kanada auch bald in Deutschland! Kalle Mattson legt ein wunderbares Frühlingsalbum vor, das es zu entdecken gilt. 

Ich möchte keine Geschichte erfinden müssen, um diese Musik zu beschreiben. Aber Kalle...der kann Geschichten erzählen, der kann Melodien spielen, der kann unterhalten. Das ist fast selten geworden in den letzten Jahren. Klassisches Songwriting braucht schließlich Zeit. Nicht nur vom Songwriter, sondern auch der Hörer muss sich die Zeit nehmen. Wann hat den Ryan Adams sein letztes Album aufgenommen? Beck ist auch nur noch alle fünf Jahre mit neuer Musik in den Schlagzeilen. Die Dylan-Nachfolger der 90er sind kaum noch zu hören. Sogar Conor Oberst sucht seine eigene Identität zwischen Akustik-Gitarre und Sythnesizern!

Da kommt so ein Kalle aus Kanada gerade richtig! So ein Kalle rockt und rollt und erzählt Geschichten zwischen Dylan, Bright Eyes, Springsteen, und Marcus Mumford.

Weiterlesen...

Elbow - The Take Off and Landing of Everything

Elbow legen die Messlatte für alle weiteren Veröffentlichungen des Jahres sehr weit hoch. Ob das jemand übertreffen kann?

Ich laufe eine sehr lange Hauptstraße entlang. Die Nacht war lang oder kurz, abhängig von der Perspektive. Innerhalb weniger Minuten erlischen die Lichter der Straßenlaternen. Es wir hell genug, dass man wieder ohne sie sehen kann. Nach und nach setzt Vogelgezwitscher ein, es ist 6:15 am Morgen. This blue world and its countless sisters / And all that came before that day / Our atoms straining to a line / Was the universe in rehearsal for us?

Mit jenen Zeilen beginnt der neue Tag. Mit jenen Zeilen beginnt das neue Album von Elbow. Und es passt wunderbar zu diesem Moment. Ich kann mir währenddessen kein schöneres Gefühl vorstellen, abgesehen von der Liebe vielleicht.

Weiterlesen...

Beck - Morning Phase

Kaum ist der erste Teasersong Blue Moon online, schreien schon alle Sea Change.
Doch was das damalige (großartige!) Trennungsalbum nun mit Becks neuem vereint, ist eigentlich vor allem in der ruhigeren Musik begründet. Beck macht nun diesmal nicht wieder einen auf Eklektiker oder hippen Indie. (Indie, den die Indiehipster gar nicht kennen). Vielmehr ist Morning Phase einfach ein zurückgenommenes Album voller schöner Songs geworden. Zuletzt waren solche aufgeräumten Alben selten zu hören. Immer zappelte irgendetwas, musste hier und da gezogen werden oder die Frage der besten Band der Welt geklärt werden. Da ist Morning Phase genau das beruhigende Mittel. Ein Album ohne Verpflichtungen, das man immer auflegen kann, auch wenn man weiß, dass man es nicht zu Ende hören wird. Was man natürlich tun sollte, besticht das Ende doch mit dem majestätischen Waking Light.
 
Beck ist hier in sich gekehrt. Auf diesem Album verspürt er wohl nicht den Drang, als Elder Slackerman der aktuellen Generation die Coolness vorzuführen, für die er in den 90ern so berühmt geliebt wurde. Das könnte man jetzt alles in Richtung langweilig gewordener Rockstar lesen. Aber es ist doch schön zu sehen, wie sich Beck hier freischwimmt von allem Druck, ohne mal wieder ein Meisterwerk abliefern zu müssen. Dabei ist Morning Phase alleinstehend genug, um bei manchen als solches gesehen zu werden. Ja, es ist ruhig wie Sea Change. In seiner Unaufgeregtheit erinnert es aber genauso an Destroyers Kaputt.
Beck soll noch ein paar weitere Alben auf Halde haben. Und dabei ist auch wieder die härtere Crossovergangart dabei. Lassen wir uns überraschen, ob das stimmt. Solcherlei Vorankündigungen gerieten bei anderen Künstlern ja auch schon oftmals für einige Jahre in Vergessenheit. Nach dem letztjährigen Song Reader freut man sich aber doch, einen fantastischen Songwriter wieder zurück in der Manege begrüßen zu dürfen.

Dafür verzeihe ich ihm auch eine verwüstete Villa.

 

_________________________________________________________________________________

Beck - Morning Phase

Caroline (Universal)

Vö.: 28.02.2014

_________________________________________________________________________________

Weiterhören:

Destroyer - Kaputt

Prefab Sprout - Red/Crimson

N (30) / [BOLT]

Es ist schwer diese Musik zu beschreiben. Worte zu finden für Musik, die selbst ganz ohne Worte auskommt. Man könnte sie als nicht von dieser Welt beschreiben und dennoch wäre das falsch, denn schließlich ist sie ja genau das: von dieser Welt. Sie ist auch kein Trend, der von Übersee herübergeschwappt ist. Nein, ganz in der Nähe ist sie entstanden. Hellmut Neidhart, genannt N stammt aus Dortmund und das Bass-Duo [BOLT] kommt aus Bochum. 

Für dieses Album haben sie zusammen drei Tracks auf eine limitierte (100 Ex.) Platte gepresst. Das erste sehr lange Stück baut sich langsam auf und entwickelt sich von einem eher leisen, schwebenden Klang hin zu einem dröhnenden, bedrohlichen Sound. Das zweite, sechzehnminütige Stück beginnt mit einem feinen Gitarren-Rhythmus, wird nach kurzer Zeit aber von verzerrtem Rauschen eingehüllt um es Minuten danach mit sanften Bassklängen wieder leiser anzugehen und von neuem bis zu einem industrial-geprägten Sound zu steigern und zu seinem Höhepunkt zu führen. Der dritte und letzte Track beschließt das Album mit flirrenden, fiependen Ambientsounds und entlässt den Hörer zurück in die Realität.

Weiterlesen...

Ast - s/t EP

Es beginnt mit Meeresrauschen und Möwengezwitscher. Friedlich, Idyllisch und dennoch Black Metal. Denn nach dem kurzen Intro von Roter Sand, beginnt der atemberaubende Höllenritt durch die 4-track EP der Berliner Band Ast. Mit temporeichen Riffs und einem auffällig nach vorne gehenden Schlagzeugspiel präsentieren die Jungs von Ast nun ihre ersten Aufnahmen. Drone-lastige Songs voller Schwermut und Dunkelheit, mit einem Hang zum Rätselhaften, wurden von der Band auf Tape gebannt. Von den vier Songs hinterlässt Kohärenzlängen den stärksten Eindruck. Vom inneren Zusammenhalt hin zum Aufbruch ins Neue handelt der Text und wird auch musikalisch vom Wechselspiel des Lauten und Leisen zusammengehalten.
Die B-Seite der EP überrascht mit einem 15-minütigen Instrumental-Track Lichcht, der aufgrund seines langsameren Aufbaus und seines Ambient-/Droneartigen Sounds für sich steht.

Weiterlesen...

Ja, Panik - Libertatia

...Wo wir sind, ist immer Libertatia. Nur wo sind sie denn, die Herren Ja, Panik? Das neue Album zu hören, kommt einer Schnitzeljagd gleich. Immer da, wo sie sind, bin ich nie?

Ganz ehrlich, die Kritik war schon geschrieben, bevor es in den Läden stand. Wie sollte es auch anders sein, als dass die Schöpfer des Monolithen nicht ein neues Meisterwerk aufgenommen haben. Und auch die Vorabkritiken der bekannten Magazine vergaben nichts anderes als überwiegend Höchstwertungen. Jubelarien, wo man hinlas, die beste deutsche Band to date ist ja wieder da. Die 5 Sterne waren auch bei mir schon fast eingeloggt. Und dann kam es in die Läden. Und keine der Kritiken schien mich darauf vorbereitet zu haben. Habe ich etwa darüber hinweggelesen, wie synthielastig, wie indiefiziert, wie 80s Libertatia war? Möchte ich in diesem Land sein? Momentan bezweifle ich das... Der düstere Brocken Dmd Kiu Lidt hat wohl blind gemacht, die Erwartungen in die falschen Richtungen katapultiert.

Was ist es nun geworden, dieses schwer lokalisierbare Libertatia? Heute sage ich, dass es an Dmd Kiu Lidt sicher nicht heranreicht. Dass es kein Meisterwerk ist. Dass nicht nur der Ort Libertatia utopisch ist, sondern auch die Erwartungen an das Album. Weniger sperrig geht es hier vor sich. Gerade das, was einst so fasziniert hat, ergeht sich nun im Indiepop. Und Indiepop ist nicht gerade die Musik der Stunde. Beim Titelsong ist man noch infiziert, doch kurz darauf kommt schon eine mehrsprachige Verabschiedung ("Au Revoir)".

Weiterlesen...

N - Prora

Der Koloss von Prora.

Acht auf einer Länge von etwa 4,5 Kilometern entlang der Küste Rügens aneinandergereihte baugleiche Häuserblocks, die ursprünglich Unterkünfte für Urlauber des Seebads Prora sein sollten. 20.000 Menschen hätten hier gleichzeitig Urlaub machen können. So war zumindest der Plan als der Komplex zwischen 1935 und 1939 von der nationalsozialistischen Organisation "Kraft durch Freude" gebaut wurde. Jedoch wurde der Bau bei Kriegsbeginn 1939 getoppt und das geplante "Urlaubsparadies" nicht fertig gestellt. In den Folgejahren wurde die Anlage mal von der Wehrmacht, der NVA und schließlich auch von der Bundeswehr genutzt.
Mittlerweile stehen die Bauten unter Denkmalschutz und werden zum Teil als Jugendherberge genutzt, stehen leer oder werden saniert.

Dieser Szenerie der Leere, des Verfalls und zerschossener Visionen ist dieses Album von N gewidmet. "Prora" umfasst lediglich zwei Songs, die aber mit einer Länge von jeweils über zehn Minuten ein eindringliches Klangbild entwerfen, das den Charakter dieses Umfelds authentisch widerspiegelt. Selbst wenn man das Seebad Prora noch nie gesehen hat, vermag man anhand der Musik doch eine Ahnung von der Stimmung, die dort aufkommt, zu bekommen.

Weiterlesen...