Thee Silver Mt. Zion Memorial Orchestra - Fuck Off Get Free We Pour Light On Everything

There'll be war in our cities / and riots at the mall / blood on our doorsteps / and panics at the ball / all our cities gonna burn / all our bridges gonna snap / all our pennies gonna rot / lightning roll across our tracks / all our children gonna die

Thee Silver Mt. Zion Memorial Orchestra (dieses Mal ohne Tra-la-la Band) sind stinke sauer und obendrein auch nicht unbedingt die optimistischsten Zeitgenossen. Das waren sie nie. Irgendwo in den Tiefen des Internets findet sich dieser eine Satz zu ihrem neuen Album und mehr bedarf es eigentlich auch nicht: This record is punk as fuck. 'Fuck Off Get Free We Pour Light On Everything' ist allerdings nicht die Sorte netter Punk, der höflich nach Almosen fragt, 'Fuck Off Get Free We Pour Light On Everything' steckt mitten im Straßenkampf, ist dreckig, wild, verletzlich. Irgendwo zwischen fliegenden Brandsätzen und dem Durchatmen hinter der nächstbesten Straßenblockade – die Situation bleibt aufwühlend, gefährlich und laut. Vor allem laut.

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KMPFSPRT - Jugend Mutiert

Nicht einmal 18 Monate gibt´s KMPFSPRT und schon haben sie ein Album im Kasten, das sich hören lassen kann. Solide Punkrockmelodien, Mitgrölrefrains und ein paar Geschichten ausm Leben. Damit wird sich dieses Jahr so mancher identifizieren können. Bereits mit ihrer ersten EP "Das ist doch kein Name für 'ne Band" konnten sie einiges an Aufmerksamkeit auf sich ziehen und das ein oder andere größere Festival bespielen.

Nun also "Jugend Mutiert". Im Punkrock sind die Pfade zwar weitestgehend ausgetrampelt, aber immerhin geben KMPFSRT auch nicht vor die Welt mit ihrer Musik überraschen zu wollen. Schon ein Blick auf das Cover macht dies deutlich. Dennoch lohnt es sich den Kölnern eine Chance zu geben. Das Album steht in der Tradition von Bands wie Hot Water Music, Gaslight Anthem, Beatsteaks oder Muff Potter. Schnittige Riffs gepaart mit den Shouts von Sänger Richard sind der Grundstein für ein gelungenes Punkrockalbum mit deutschen Texten. Anderssein, Alleinsein, Dagegensein, Verlassensein sind die Grundthemen von Titeln wie "Nachtsicht", "Musikdienstverweigerer" oder "Atheist". Das allgegenwärtige Thema der Flucht von Freunden und Bekannten hin nach Berlin und raus aus der Kleinstadt sorgt im letzten Lied "Gute Reise" für einen feinen Abschluss eines respektablen ersten Albums!

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Warpaint - Warpaint

Dream Pop, wohin schwaderst du?

2009, oder auch das Jahr XX. Heute spricht man schon fast ehrfürchtig davon. Obwohl seit Jahren das Ende der Musikrevolution, seit dem Ende von Grunge, postuliert wird, fühlt man sich bei mancher Berichterstattung doch an die kultische Verehrung eines Nevermind erinnert, wenn die Sprache auf The XX kommt. Aber 2009 war nicht nur The XX. Auf Augenhöhe, wenn nicht sogar höher, ist das Debüt von Warpaint anzusiedeln. Es wäre perfekt gewesen, hätte man die Gesichter dieser Band nicht gekannt. Mehr schweben war nicht möglich. Verwunschen, harmonisch, mystisch, rauschhaft. Doch die vier Songschreiberinnen zeigten sich, versteckten sich nicht hinter der Musik und so wurden Erwartungen potenziert. Man hofft auf die Wiederkehr eines Geheimnisses, aber man kann nicht enttäuscht sein, wenn es ausbleibt. Da sie nie ein Geheimnis um sich gemacht haben, steht es nun anders. Es wird spannend sein, in Zukunft mit einem Blick auf heute zu überlegen, ob es nicht besser gewesen wäre, wenn diese beiden Bands nach ihren kometenhaften Erstlingswerken wieder verschwunden wären. Einsame Referenz, ohne jemals gelangweilt zu haben.

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King Krule - 6 Feet Beneath The Moon

Warum ist der denn so scheiße drauf? Warum blafft er mich andauernd an? Warum klingt die Musik wie im Zeitraffer zerbrechendes Glas? Und scheiße nochmal ... wie zum Teufel kreiert ein 18-jähriger Londoner Rotschopf einen Sound, den es in der Form bis dato im Mainstream nicht gegeben hat? Die erste EP kam raus, da war Archy Marshall gerade mal 16 und hatte sich kurz zuvor von Zoo Kid in King Krule umbenannt. Die Musik ist auch kein verdammter Britpop, aber der Londoner feixt mit einem so fiesen Akzent, zieht die Vokale bis ins Unendliche, wie sich das gehört, wenn man im Vereinigten Königreich was werden will. Er singt, als käme er gerade hackedicht und verlassen aus einem Pub herausgestolpert, ohne Kohle in der Tasche und auf der Suche nach dem nächsten Abenteuer.

Für Archy Samuel Marshall hat das größte Abenteuer längst begonnen. Er ist längst das Wunderkind der englischen Musikszene. "6 Feet Beneath The Moon" ist ein Knaller-Album und "Easy Easy" einer der besten Album-Opener seit langem. 

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Mogwai - Rave Tapes

Liebe Freunde der gepflegten Rave-Nacht,

das hier ist nichts für Euch. Auch wenn Mogwai ihr achtes Studioalbum "Rave Tapes" getauft haben, bleibt lautes Bass-Bumm-Bumm aus. Vielmehr konzentrieren sich die Schotten auf wohlklingende Postrock-Klänge, die von Keyboardflächen getragen werden. Im Unterschied zum letzten Album mit dem kongenialen Titel "Hardcore Will Never Die, But You Will" ist dieses Album weitestgehend instrumental gehalten. Wo zuletzt noch Stimmen durch den Vocoder gejagt wurden, wird nun ein sich wiederholendes Motiv in den Vordergrund gerückt. Besonders innovativ ist das zwar nicht mehr, aber dennoch entwickelt "Rave Tapes" einen eigenen Sog, der in "Blues Hour" seinen Höhepunkt findet und anschließend mit "No Medicine For Regret" und "The Lord Is Out Of Control" ausklingt.

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Bruce Springsteen - High Hopes

Was lese ich da Anfang des Jahres? Neues Album von Springsteen? Warum war das nicht langfristiger und großspuriger angekündigt? Egal! Über neuen Output von Bruce freut man sich schließlich immer. Dann der Zusatz, Tom Morello mische mit. What? Wird das dann Boss Against the Machine, oder wie? Man kann sich schwerlich vorstellen, wie Morellos funky RATM Riffs zu Springsteen passen sollen. Allerdings blendet man dabei aus, dass Morello einige Soloprojekte hat, in denen er weniger dem Funk huldigt. Wen juckts auch, ein Gitarrenkünstler spielt Musik mit Springsteen, das sollte ja Argument genug sein. Nebenbei ist Morello auch bekanntlich politisch sehr aktiv, noch eine Sache, die ihn mit Springsteen verbindet.

 Und ja, es klappt. Es ist nicht das beste Album. Es wird auch nicht passieren, dass Springsteen noch einmal ein Darkness, Born to Run oder Nebraska veröffentlicht. Die Zeiten, in denen eine solche Musik in höchsten Höhen den Zeitgeist vertrat, ist vorbei. Das ändert aber auch nichts daran, dass er in den letzten Jahren nie abgeschmiert ist.

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Sebadoh - Defend Yourself

Sebadoh hören macht Spaß, geht ans Herz und fördert den Blutkreislauf.

Als sie ihr letztes Album veröffentlicht hatten war ich jung, hatte kein Geld und die Lo-Fi-Ideologie war mir fremd. Nun sind 14 Jahre ins Land gegangen und Sebadoh schmeißen mit "Defend Yourself" ihren zehnten Longplayer auf den Markt. Lo-Fi scheint wieder in die Köpfe bzw. Gehörgänge zurückzukehren. Guided by Voices sind lebendiger denn je, Stephen Malkmus hat ein neues Album mit den Jicks rausgebracht, auch von Beck ist dieses Jahr noch neues Material zu erwarten. Und auch neue Bands, die ihre Platten mit möglichst geringen Mitteln produzieren und dennoch das Indie-Herz höher schlagen lassen, kratzen an der Oberfläche. So greifen Bands wie Sic Alps, Deerhunter oder Cloud Nothings Elemente des 90er-Lo-Fi auf und kombinieren ihn wahlweise mit Nirvana-Grunge, Strokes-Garagen-Rock oder Post-Hardcore.

Und nun hat Lou Barlow mit "I Will" wohl das zugleich traurigste als auch schönste Trennungslied 2013 geschrieben. Es eröffnet die erste Seite des Albums und setzt die Messlatte bereits zu Beginn sehr hoch an. "Love You Here" kann das Niveau gerade noch halten, bevor dann einige Lieder folgen, die zwar nicht mehr ganz mithalten können, aber dennoch eine Spielfreude ausstrahlen, die an Neil Young erinnert wenn er Crazy Horse im Rücken hat.

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