Istmo - s/t

Istmo

Es beginnt gemächlich. Mit leisen Tönen wird der erste Track auf Istmo´s 12" aufgebaut. Eine langsame Steigerung setzt nach kurzer Zeit ein bevor das Schlagzeug schließlich eindrischt. Das Tempo wird wieder rausgenommen. Eine eher düstere Atmosphäre durchzieht den Song und wird die acht Minuten vorangetrieben.

Auf Seite B der Platte wird im Prinzip das gleiche Konzept von neuem aufgerollt. Ein ruhiges und melodiöses Intro wird von einem schweren Gitarrenmotiv durchbrochen. Doch dann. Ruhe. Eine halbakustisch klingende Gitarre bringt Abwechslung in den Song. Eine sehr schöne Passage, die sich zum Ende hin wieder steigert und entlädt.


Istmo sind Aldo, Andrea, Francesco und Andrea aus Bari, Italien. Sie spielen Post-Rock/HC. Ihre Platte ist auf 300 Stück limitiert.

Monte Ida - Corinth / Devotion

Monte Ida CorinthHeute mal was Besonderes für die Ohren? Dann sei Euch Monte Ida aus Rennes, Frankreich wärmstens empfohlen. Die drei Bandmitglieder Cedric, Quentin und Pierre-Marie haben soeben ihren zweiten Release auf digitalem Weg veröffentlicht. Es hört auf den Namen „Corinth“ und wird in Kürze auch als 12“ Vinyl erscheinen. Auf der Platte werden vier Songs zu hören sein, die ganz klar in der Screamo-Ecke zuhause sind und mit Verlaub fantastisch klingen. Zumindest ich bin maximal angetan und hab mir direkt auch ihre vorhergehenden Aufnahmen auf „Devotion“ angehört und wurde nochmals bestätigt. Auch hier wurde verzweifelter Screamo in harmonische Melodien gebettet.
Schön zu hören, dass auch aus Frankreich mal wieder was rüberschwappt über das es sich zu berichten lohnt.
Abgesehen davon finde ich das detailreiche Cover todschick!

 

Gorgeous Bully - The young obese

gorgeousbullytheyoungobese"Ba-da-dam, Ba-da-da-da-da-dam". Die ersten Sekunden von Never Cry machen es einem zunächst schwer, einen Einstieg in Gorgeous Bullys erste EP zu finden. Zu schnell befürchtet man eine weitere Indie-Band, die 2012 ein Jahrzehnt zu spät aufgekreuzt ist. Was danach kommt, vermischt Post-Punk, Indie und Störgeräusch so räudig wie es nur in Manchester aufgewachsene Musiker zustande bringen. Sie selbst bezeichnen ihre Musik als "minimalist". Und man muss sich nur die Titel ihrer bisherigen, entdeckenswerten Veröffentlichungen durchlesen, um zu wissen, von welchem Gemüt diese Lieder sein müssen: Dumb Ideals, Love Song for Someone Else, Nobody Hates you as much as you Hate yourself oder das kürzlich erschienene Better Demons. Am dreckigsten und tanzbarsten klingen sie auf diesen fünf Songs von The Young ObeseStamp stürmt noch verhallt auf jeden Dancefloor, bevor "Who do you think you are" uns vorführt, in welche Richtung die Arctic Monkeys hätten gehen können, bevor die Produktionen größer und der Retro-Groove den verzerrrten Punk zuletzt etwas verdrängte. Dagegen sind gorgeous bully im positiven Sinne, wie sie auch selbst es beschreiben: Some kind of Fucking Supernova!

Orca - Alarum

OrcaAlarumAm Anfang war der Schrei. So und nicht anders geht Orcas Alarum los. Es ist kein Schrei der Angst, kein normaler Schrei. Es hört sich wie ein lange in sich hereingefressenes, galliges Wüten. Umso verrückter, dass später in "Washington" die klare, feste Stimme von Molly Lape einstimmt und ein so wunderbares, wie unerwartetes Zusammenspiel des wütenden Shouten und des Wunschs nach Verschwinden zusammenkommt. Orca aus Cleveland, OH nennen das Weirdo Hardcore. Keine Ahnung, ob die Musik wirklich so weird ist, sie macht aber verdammt viel Spaß (Man höre nur den Groove von "Cowboy"!) und drängt nach vorne, ist eindringlich trotz oder gerade wegen allen Lärms voller Hooklines und Stellen, an die man sich grinsend wieder erinnern wird.

Younger Us - Graustark

YoungerUsGraustarkGraustark ist ein verdammt depressives Album. Kaum eines der sechs Lieder, das nicht ausdrückt, was früher einmal schöner war oder einen gerade sick macht. Der kaputte Identitätsmoloch, den wir alle kennen. Es ist aber auch ein verdammt großartiges Stück. Wenn man schon fucked up ist, dann muss das auch zum Disput gestellt werden. Modern Life is War und die Musik dazu ein Triumph. Und schon nach ein paar Durchläufen erwischt man sich, wie man bei den Anfangsakkorden von "Philophobia" geballt die Faust mitwippen lässt. Nur um sie danach freudig in die Luft zu reißen. Und wenn am Ende der Koloss "Morient" verklingt, geht es schon wieder von vorne los. Mit "Rite of Passage" und dieser grandios feinen Platte. Wenn man nicht wüsste, dass Younger Us aus Stuttgart kommen, würde man denken, sie wären irgendwo in einer Szene mit den Brand New, Fucked Up oder The Wave Bands dieser Welt irgendwo in den USA groß geworden.

"i am sick of every song on every record spinning in our spiritless lives"? Graustark ist eine große Ausnahme.

42DE - EP

42DE

Tatsächlich klingt diese EP wie das Bild auf dem Cover. Vier Kumpels sitzen vor ihrem Zelt im Wald. Nach und nach erscheint es so als würden die vier abgebildeten Personen mit ihrer Umwelt eins. Ganz so als ob die Natur in den Vordergrund gerät und der Mensch diese nur noch als Gast erleben darf.

42DE aus Palermo, Sizilien vertonen ihr selbst dargestelltes Szenario auf den fünf Songs ihrer EP. Die ist bisher nur als schick aufgemachte Kassette beim Selfmade-Label Upwind Records als 30er Auflage erschienen. 

Postrock ist hier das Stichwort. Instrumentaler Postpunk würde es auch treffen. Besonders bei "Creation of Something Abstract" zeigen 42DE ihre ganze Bandbreite. Von leise zu laut und wieder zurück. Hin und wieder klingeln die Gitarren in bester Mono (Japan) - Manier. Und das ist auch schon das beste Kompliment was man den Sizilianern machen kann. 42DE kann man sich ruhig mal zu Gemüte führen. Offene Ohren werden hier belohnt.

 

Epona - Wave Clouds

EponaWaveCloudsEs gibt diese Tage, an denen man krank im Bett liegt, nichts wirklich auf die Reihe kriegt und schon zwei Bücher in Folge gelesen hat. Solche Zeiten lassen sich am besten mit verträumten Indieperlen, die irgendwo zwischen Sonic Youth, Dream Pop, The Pains of Being Pure at Heart und Dinosaur Jr liegen. Epona aus Margate, welches im schönen Garden of England, Kent, liegt, haben mit ihrem Wave Clouds genau drei solcher Songs aufgenommen. "Closure", "Savannah" und "Come Around" erzählen vom Gefühl der Trennung und der Sehnsucht nach Zusammensein, dem Schmerz und der Kommunikation miteinander. Letztlich all die Themen, die einen, ans Bett gefesselt, irgendwie begleiten. Sei es im Wunsch, endlich wieder rausgehen zu können und das Alleinsein sich wieder hinter sich zu lassen, sei im schlimmsten Kopfschmerz, der uns vor der Interaktion mit anderen fernhält. Eponas Wave Clouds lässt auf mehr hoffen. Der Gesang ist stets nur ein Element in der Musik. Nicht nach vorne gemischt, verliert er sich genauso in den Geräuschen, wie man es als Hörer tut. Am besten sehen wir das vielleicht im Cover von Wave Clouds. Eine verwischte Schwarz-Weiß-Fotographie, die entfernt an etwas dort draußen erinnert. Aber was es genau sein soll, das muss jeder für sich selbst herausfinden.